Manchmal braucht es keine perfekte Vorbereitung. Manchmal reicht ein Torwart in Bestform, eine Portion Geduld – und das Wissen, dass Spiele selten in den ersten zehn Minuten entschieden werden. So geschehen am Sonntagmorgen im heimischen Wohnzimmer des DSC Wanne-Eickel, wo sich die Schwarzgelben nach holprigem Start mit 26:23 (13:12) gegen Handball Westfalia Scherlebeck durchsetzten – und damit gleichzeitig einen wichtigen Schritt weg von den Abstiegsrängen machten.
Die Ausgangslage war klar: Mit Scherlebeck war ein direkter Konkurrent im Tabellenkeller zu Gast. Beide Mannschaften wollten Abstand nach unten schaffen, entsprechend angespannt begann die Partie. Und zunächst sah es auch so aus, als hätte der DSC noch mit den Nachwirkungen der wenigen Trainingseinheiten zu kämpfen. Der Start war unruhig, die Abläufe noch nicht ganz rund, die Abstimmung ausbaufähig.
Doch nach etwa zehn Minuten änderte sich das Bild spürbar. Der DSC fand seinen Rhythmus, übernahm zunehmend die Kontrolle und ließ sich auch von kleineren Unsicherheiten nicht mehr aus der Ruhe bringen. Der Gegner blieb zwar dran, doch das Spiel kippte Schritt für Schritt in Richtung der Hausherren.
Ein ganz entscheidender Faktor stand dabei zwischen den Pfosten – oder vielmehr flog er von dort aus in alle Richtungen. Stefan Kube erwischte einen dieser Tage, an denen Torhüter nicht reagieren, sondern dominieren. Würfe aus dem Rückraum, Abschlüsse vom Kreis oder freie Chancen über Außen – immer wieder war eine Hand, ein Fuß oder schlicht der richtige Instinkt im Weg. Kube „fischte“ die Bälle aus allen denkbaren Winkeln und gab seiner Mannschaft damit genau die Stabilität, die sie nach der anfänglichen Unsicherheit brauchte. Es war eine Leistung, die nicht laut war, aber enorm wertvoll.
Mit zunehmender Spieldauer gewann der DSC auch offensiv an Klarheit. Der Ball lief besser, die Entscheidungen wurden sicherer, und bis zur Pause hatte man sich eine knappe, aber verdiente 13:12-Führung erarbeitet. Es war kein Selbstläufer, sondern das Resultat wachsender Kontrolle und mannschaftlicher Geschlossenheit.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie intensiv. Scherlebeck zeigte, warum es trotz der Tabellensituation ein unangenehmer Gegner ist, und hielt das Spiel lange offen. Doch der DSC wirkte insgesamt stabiler. In entscheidenden Momenten war die Defensive aufmerksam – und wenn doch einmal eine Lücke entstand, war Kube zur Stelle. Im Angriff übernahm vor allem Eike Frederic Hippe Verantwortung und führte sein Team mit sieben Treffern durch die entscheidenden Phasen.
Am Ende stand ein verdienter 26:23-Heimsieg. Kein dominanter Durchmarsch, aber ein reifer Auftritt gegen einen direkten Konkurrenten. Und vor allem ein Sieg mit Bedeutung: Der DSC verschafft sich Luft im Tabellenkeller und setzt ein wichtiges Zeichen im Kampf um den Klassenerhalt.
Es war ein Spiel, das zeigte, dass diese Mannschaft auch ohne perfekte Vorbereitung Lösungen findet – mit Ruhe, Zusammenhalt und einem Torwart, der an diesem Sonntagmorgen schlicht beschlossen hatte, dass hinter ihm nicht viel passieren würde.
Am kommenden Sonntag wartet mit dem TuS Bommern die nächste Aufgabe – dann auswärts und zu ungewohnter Zeit am Abend. Mit dem gewonnenen Selbstvertrauen und der stabilen Defensive im Rücken wird der DSC auch dort versuchen, den nächsten Schritt weg von den unteren Tabellenregionen zu machen.