DSC Wanne-Eickel gg. VfL Bochum 1848 II 18:36 (9:17)
Im Film waren es sieben. Sie ritten in ein Dorf, stellten sich einer Übermacht und gingen in die Kinogeschichte ein. Beim DSC Wanne-Eickel waren es am Sonntagmorgen acht. Statt eines staubigen Dorfes gab es die Sporthalle Wanne-Süd, Anwurf 11:15 Uhr, und die Übermacht hieß VfL Bochum 1848 II. Nur beim Drehbuch gab es ein paar Abweichungen von der Vorlage. Am Ende stand ein 18:36 (9:17) auf der Anzeigetafel.
Dabei war es ein besonderer Tag. Weil der eigentliche Auftaktgegner seine Mannschaft zurückgezogen hatte, war es das erste Pflichtspiel der Saison. Und es war der erste Ernstfall für Florian Gimmerthal an der Seitenlinie. Herr Gimmerthal hatte also übernommen, allerdings mit überschaubarem Personal.
Denn ein Blick auf den Spielbericht verriet die ganze Wahrheit: zwei Torhüter, sechs Feldspieler. Wer kurz nachrechnet, merkt, dass das genau eine Mannschaft ergibt und keinen einzigen Wechsel. Viele sind noch verletzt, andere konnten nicht. Also rückte Alexander Motoc, eigentlich zwischen den Pfosten zu Hause, kurzerhand ins Feld. Die glorreichen Acht waren komplett.

Zehn Minuten wie im Kino
Und zehn Minuten lang sah es tatsächlich nach Heldengeschichte aus. Simon Schlimm erzielte nach 107 Sekunden das erste Saisontor – gleichzeitig sein allererstes für den DSC (Kiste!). Dennis Gawlick legte zum 2:0 nach, Rouven Lindner traf zum 3:1. Bochum glich aus, doch der DSC hatte eine Antwort: Eike Hippe verwandelte vom Siebenmeterpunkt zum 4:3, Schlimm traf zum 5:4. Mehr Western ging an diesem Vormittag nicht.
Es blieb allerdings die letzte Führung des Tages. Danach zeigten die Gäste, warum sie mit einem Auftaktsieg im Gepäck angereist waren. Innerhalb von fünf Minuten drehte Bochum das Spiel auf 5:7. Der DSC blieb zunächst in Schlagdistanz: Schlimm verkürzte auf 7:9, Gawlick auf 8:10, Hippe per Siebenmeter auf 9:11. Zwischendurch leistete sich der DSC die erste von drei Zeitstrafen. Für eine Mannschaft ohne Wechselbank ist das ein Luxus, den man sich eigentlich nicht leisten kann.
Neun Minuten Funkstille
Dann kam die Phase, in der das Spiel entschieden wurde. Nach dem 9:11 in der 23. Minute traf der DSC über neun Minuten lang nicht mehr. Bochum bedankte sich und traf siebenmal in Folge, allein Moritz Galbas dreimal in gut einer Minute. Zur Pause stand es 9:17, kurz nach Wiederanpfiff 9:18. Die Postkutsche war abgefahren.
Kondition statt Kavallerie
Verstärkung ritt keine mehr heran, also blieb nur, was Gimmerthal im Sommer auch mal trainieren ließ: Laufen. Und die Acht liefen. Schlimm, Gawlick und Calvin Wendland trafen, und bis zur 43. Minute hielt der DSC den Rückstand beim 14:24 im Rahmen. Dann kamen zwei weitere Zeitstrafen dazu, und irgendwann waren die Beine schwerer als der Wille. Bochum zog mit einem 8:1-Lauf auf 15:32 davon.
Stefan Kube hielt, was zu halten war, und bekam in 60 Minuten mehr Besuch, als ihm lieb sein konnte. Vorne teilten sich Simon Schlimm und Eike Hippe mit je fünf Treffern die Verantwortung, Hippe dabei mit vier von fünf Siebenmetern. Dennis Gawlick kam auf vier Tore. Und dann war da noch Alex Motoc: Der Torwart im Feldspielertrikot traf tatsächlich einmal. Ob ein Torwart für sein erstes Feldtor eine Kiste mitbringen muss, klärt die Mannschaft intern.
Wanted: Handballer (Belohnung: Stammplatz)
Die Niederlage ist deutlich, daran gibt es nichts zu beschönigen. Sie sagt aber mehr über die Personallage als über diese Mannschaft. Wer 60 Minuten ohne Wechsel gegen eine gut besetzte Bochumer Reserve läuft, hat Respekt verdient.
Klar ist aber auch: Der DSC braucht Verstärkung. Wer in Wanne-Eickel und Umgebung Handball spielt, früher gespielt hat oder wieder Lust darauf hat, ist herzlich willkommen, ob mit viel oder wenig Erfahrung. Trainiert wird aktuell montags um 20 Uhr und donnerstags um 18:30 Uhr im Wanner Sportpark. Weil die Hallensituation in Herne gerade angespannt ist, am besten vorher kurz melden: Alexander Motoc freut sich über jede Nachricht, unter 0176 70860635 oder per Mail an info@dsc-handball.de. Ein Platz auf der Bank ist garantiert. Die war am Sonntag nämlich ziemlich leer.
Weiter geht es am Samstag, 3. Oktober, um 17:30 Uhr beim HSV Herbede II in der Jahnsporthalle. Es ist der Tag der Deutschen Einheit, und der DSC hofft auf eine Einheit, die diesmal ein paar Mann größer ist.
Kube; Schlimm (5), Hippe (5/4), Gawlick (4), Lindner (2), Motoc (1), Wendland (1), Sokolowski